
Es geschieht ohne Absicht.
Eine Hand greift nach dem Fenster. Nicht weil es draußen stürmt. Nur weil die Luft, die hereinkommt, plötzlich kühler ist als der Raum.
Den ganzen Sommer war dieses Fenster offen.
Am Morgen waren die ersten Autos zu hören. Später das Klappern von Geschirr aus einem anderen Garten, Stimmen hinter einer Hecke, irgendwo ein Rasenmäher, der immer noch eine Bahn fand. Selbst nachts blieb ein schmaler Spalt, durch den die Nachtluft bis tief ins Zimmer zog.
Der Fensterflügel schließt sich. Der Griff rastet ein. Ein kleines Geräusch, das überraschend endgültig klingt.
Plötzlich ist zu hören, was den ganzen Sommer über beinahe verschwunden war: das Summen des Kühlschranks, ein Knacken im Holz, Wasser, das durch eine Leitung läuft. Die Schritte auf dem Gehweg sind nur noch gedämpft. Ein vorbeifahrendes Auto zieht nicht mehr durch das Zimmer, sondern bleibt auf der anderen Seite der Scheibe.
Die Wohnung rückt ein wenig näher zusammen.
Auf der Kommode steht noch die Sonnencreme. Neben der Tür liegen Schuhe, in deren Profil ein paar helle Körner vom letzten warmen Nachmittag stecken. Und doch ist die dünne Decke, die wochenlang über der Lehne hing, schon über die Füße gezogen.
Für einige Tage leben zwei Jahreszeiten im selben Raum.
Der erste geschlossene Abend steht in keinem Kalender. Niemand beschließt ihn am Morgen. Er kommt zwischen zwei gewöhnlichen Handgriffen und verrät sich erst, als man bemerkt, dass man das Fenster nicht wieder geöffnet hat.
Vielleicht zeigt sich der Wechsel der Zeit weniger an den Bäumen als an der Art, wie wir unsere Räume benutzen. Nach dem Essen bleibt man länger sitzen. Die Decke wird wieder gebraucht. Das Fenster bleibt zu.
Monatelang lagen zwischen Zimmer und Straße nur ein paar Zentimeter offenes Fenster. Geräusche und Gerüche kamen herein, die Wärme zog hinaus. Nun bekommt die Wohnung ihre Ränder zurück. Hinter der Scheibe bleibt die kühle Luft. Im Zimmer die Wärme des Tages.
Die hellen Wochen enden nicht an einem bestimmten Tag. Ihr Ende sammelt sich in kleinen Bewegungen: in einer Decke über den Füßen, einer Hand am Griff, einem Fenster, das geschlossen bleibt.
Später geht draußen noch jemand vorbei. Schritte auf Kies, ein kurzes Lachen, dann nichts mehr. Auf dem Fensterglas spiegelt sich der Raum: die zerknitterte Decke, die Schuhe an der Tür, eine Jacke, die noch keinen festen Platz gefunden hat.
Nichts davon ist für die neue Jahreszeit vorbereitet.
Alles ist noch dort, wo es zuletzt gebraucht wurde.
Im Holz knackt es noch einmal.
Der Griff bleibt nach unten gedreht.