Der Flur, an dem der Tag endet

Auf der Heimfahrt fällt uns plötzlich eine Pause wieder ein. Nicht der Satz davor, nicht die Antwort danach – nur der Augenblick, in dem keiner etwas sagt. Das Gespräch ist längst weitergezogen.

Zu Hause steigen wir aus, hängen uns die Tasche über die Schulter und gehen zur Haustür. Wir drehen den Schlüssel, ziehen ihn ab und treten ein. Als die Tür hinter uns ins Schloss fällt, hören wir den Schlüsselring gegen die Klinke schlagen. Aus dem Wohnzimmer ruft jemand, in der Küche klappert Geschirr.

An der Garderobe hängen Mäntel und Jacken so dicht, dass unsere Jacke nur mit etwas Druck dazwischenpasst. Beim Aufhängen bleibt ein Ärmel an einem Haken hängen. Fast, als wollte die Garderobe sagen: Halt, nicht so schnell.

Auf der Kommode liegt noch der Brief, den wir gestern aus dem Postkasten genommen haben. Daneben steht die kleine Schale, in der die Schlüssel liegen sollen. Trotzdem legen wir den Schlüsselbund auf den Brief. Die Schale bleibt leer.

Hier im Flur darf der Tag ankommen, bevor wir es selbst tun.

Wir stellen die Tasche ab. Erst als der Gurt von der Schulter rutscht, merken wir, wie schwer sie ist. Aus der Umhängetasche ragt noch der zerknitterte Kassenbon vom Mittag. Wir wollten die Tasche längst ausräumen.

Im Wohnzimmer wird das Licht eingeschaltet. Es reicht bis zur Kommode, aber nicht ganz bis zur Garderobe.

Aus der Küche kommt die Frage: „Schon da?“

„Ja“, antworten wir. Erst dabei merken wir, wie müde wir eigentlich sind.

In der Küche steht noch die Tasse vom Morgen. Ein Kind kommt angelaufen und möchte erzählen, was heute alles passiert ist. Es beginnt bei dem, was ihm am wichtigsten ist, springt zurück und ergänzt unterwegs, was wir noch nicht wissen. Wir fragen nach und verstehen es trotzdem falsch. Also beginnt das Kind noch einmal von vorn. Wir hören weiter zu. Erst als es kurz innehält, merken wir, dass wir unsere Schuhe noch gar nicht ausgezogen haben.

Später schiebt jemand die Mäntel und Jacken an der Garderobe auseinander. Im Wohnzimmer werden die Stimmen leiser. Das Geschirrklappern aus der Küche hört auf.

Am nächsten Morgen stehen wir wieder im Flur und nehmen den Schlüsselbund von der Kommode. Der Brief liegt noch immer ungeöffnet da. Die Schale ist leer.

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